| Aberglaube | Der Glaube von uns Studenten, nur wir könnten die Menschheit vor dem Weltuntergang bewahren. Das Gegenteil ist richtig. Nur der Weltuntergang könnte die Menschheit vor uns bewahren. |
| Abitur | Formale Qualifikation. Führt entweder zu Macht, Reichtum, Ansehen, Wohlergehen, innerem Frieden, Lebensglück und ständiger euphorie oder zur Universität. |
| Aufschrieb | Meist leeres Blatt. Aufschriebe enthalten das gesamte Wissen, das dem Studenten in Vorlesungen vermittelt wurde. Ihr Wert ist unschätzbar. Eher wird ein Student sein Leben hingeben als eine einzige seiner Aufschriebseiten. Es sei denn, sein Kumpel möchte gerade einige Papierflugzeuge bauen. |
| Berufserfahrung | Voraussetzung für den Eintritt ins Berufsleben. Jeder Absolvent, der sich um seine erste Stelle bewirbt, sollte schon mehrere Jahre woanders gearbeitet haben. Die moderne Industrie kann es sich nicht leisten, Neulinge einzustellen, die weder wissen, wie man ein Konzern führt, noch wie man den weltmarkt beherrscht ! (Schließlich weiß es ja sonst schon niemand) |
| Bett | Lebensraum des Langschläfers, einer seltenen Studentenspezies, der nach wissenschaftlichen Schätzungen etwa 99 % aller Studenten angehören. |
| Bude | Klassische Bezeichnung für Zimmer eines (unverheirateten) Studenten. In die öffentliche Diskussion geraten ist der Begriff vor allem durch die Budenberichte des Bundesgesundheitsamtes, die seit Jahren dringlich vor dem Betreten einer Bude warnen. |
| Comics | Studieren ist harte körperliche Arbeit. Skifahren, Tennis, Surfen, Bergsteigen - eine Anstrengung jagt die andere. Doch viele Studenten bemühen sich auch um ihre geistige und sittliche Ausbildung. Deshalb lesen sie regelmäßig Comics und Bilderbücher. |
| Doktorand | Angehender Doktor. Lieblinsneffe der Oma. Doktoranden besitzen eine Analyse der Bundesanstalt für Arbeit zufolge eine große Gemeinsamkeit: Sie sind Idioten. Oft genug verschlechtert nämlich eine Promotion die Berufschancen. |
| Doktorvater | Hochtrabende Bezeichnung für habilitierte Hebamme. |
| Emanze, engagierte | Militante Studentin. An Unis meist in Form eines schlagkräftigen Kampftrupps organisiert. In ihrer Aggressivität nur noch zu vergleichen mit hungrigen Löwen. |
| Englischkentnisse | Zusatzqualifikation. Glaubt man den Studienberatern, sind Englischkentnisse heute für jeden Beruf, vom Schuhputzer aufwärts, absolutes Muß. Allzu Ehrgeizige versetzt dies in helle Panik. Heiße Affären mit früheren Englischlehrern werden begonnen, entfernte Verwandte in Australien besucht, Studienaufenthalte in Oxford, Cambridge, Edinburgh, Dublin, Sydney, Montreal, New York, Boston und auf den Fidschi-Inseln geplant. Erfahrene Studenten hingegen wisen: Für die eigentlich interessanten Jobs (Bundespräsident, Bundesverfassungsrichter, Tarzan-Darsteller) genügt es, wenn man seinen Namen in fließendem Englisch schreiben kann. |
| Erstsemester | Stimmungskanone. Studenten wollen lachen - wie andere Menschen auch. Erstsemester sind zum Lachen. Sie wissen nichts, können nichts und tölpeln umher. Das tun zwar höhere Semester auch, doch davon wissen Erstsemester nichts. Grund genug, jede ihrer Bewegungen mit Spott zu verfolgen. |
| Farbbeutel | Studentisches Wurfgerät. Einst beinahe Volkssport, wird das Farbbeutelwerfen heute nur noch von sehr wenigen betrieben. C.G.Baum unterscheidet in seinem Werk "Der Farbeutel in uns allen" (München,1975) zwischen Widerstandskämpfern und gescheiterten Hammerwerfern: Widerstandskämpfer werfen aus Protest gegen die Vertreibung aus dem Kindergarten, gescheiterte Hammerwerfer, um endlich selbst einmal Weiten von über 3 m zu erzielen. |
| Gastredner | Sandmännchen. Mitunter erscheint der Professor in Begleitung eines weithergereisten Kollegen, der in radebrechendem Deutsch oder rasendem Englisch über die Forschung in seinem Land berichtet. Fünf Minuten später ist der Hörsaal ein Schlafsaal.Nur in den ersten Reihen halten sich einige wohlwollende Studenten mit Rippenstößen wach und machen sich von Zeit zu Zeit Notizen. Etwa des Inhalts "Klappe zu da vorne, es zieht!" oder "Blies im Märzen gut der Wind, lacht der Bauer wie ein Rind." |
| Geld | Wertvoller Rohstoff. Wächst vor allem in den ruhigen, milden Breiten der Heinmat (Studentenklima zu windig!). Auf Rückfahrten in die Uni-Städte transportiert. Weiterverarbeitung vor allem zu Kino-Karten, Bierkästen oder neuen Blusen. |
| Gruppenarbeit | Arbeitsform, der nachgesagt wird, daß sie zu vielen Arbeitstreffen, Konzeptpapieren, Zwischenberichten, Diskussionsrunden, Absichtserklärungen, Gruppensitzungen, Teilentwürfen, Lagedebatten, doch nicht zu Ergebnissen führt. |
| Hilfswissenschaftler | (Abkz.: Hiwi, studentisch:Hilswilli). Vornehme Bezeichnung für Knecht.Hiwis stellen die unterste Stufe des wissenschaftlichen Personalkörpers dar. Meist werden sie mit so verantwortungsvollen Aufgaben wie Bücher kopieren, Kaffee kochen oder Mund halten betraut. |
| Hirn | Wichtigstes Körperteil des Studenten. Aus Gründen der Praktikabilität meist außerhalb getragen. Moderne Studentenhirne sind bis zu 2 m lang und 130 kg schwer und häufig auf bestimmte Problemlösungen spezialisiert. Erfahrene Studenten halten sich deshalb mehrere, auf auf die sie je nach Klausurthema zurückgreifen. |
| Hörsaal | Ort, für dessen Betreten bestimmte Regeln gelten: 1. Setze Dich nie vor die anderen 2. Setze Dich imer hinter die anderen. Studenten, die diese Regeln mißachten, erwartet die soziales Ächtung (siehe unter Streber und erste Reihe). Unerfahrene Studenten, insbesondere Erstsemester, sollten Hörsäle deshalb nur unter Anleitung höherer Semester betreten. |
| Klausur | Schriftliche Prüfung. Hat gegenüber ihrem Vorläufer, der Guillotine, den Vorteil, daß sie keine Blutspuren hinterläßt. |
| Klausurnacht | Nacht vor der Klausur. Teilt sich meist in zwei völlig unterschiedliche Hälften: 0.30 Uhr bis 8.44 Uhr: Der Student wünscht sich nur eines:Schlaf. Er zählt Schafe, Enten, Kühe, Hühner, Zwergantilopen und 1008 andere liebe Vertreter der großen Tierfamilie, suggeriert sich, er sei ein Murmeltier und greift schließlich - um 8.44 Uhr - zu einem Buch. 8.45 Uhr bis 9.00 Uhr: Geschafft !! Der Student schläft wie ein Engel in Gottes Hand. Erst nach zehn ;inuten hört er den Wecker. |
| Kopfarbeit | Die Zeiten, zu denen an Unis nur Kopfarbeit verrichtet wurde, sind längst vorbei. Professoren arbeiten heute genauso mit der Hand wie Fabrikarbeiter auch: Schwieriges erledigen sie mit der Rechten (Assistent), Einfaches mit der Linken (Sekretärin) und Unangenehmes mit Handschuhen (Hiwis). |
| Lange Nacht | Nacht vor Ablauf der Abgabefrist (siehe Seminararbeit). Typisches Bild: Der Student zwischen tausend Büchern, gleichzeitig lesend, schreibend und diktierend, daneben sein bester Freund zwischen tausend Blättern, tippend, vor ihnen schwarzer Kaffee zwischen tausend Kippen, schwindend. |
| Latinum | Unseligste Erfindung seit der Konstruktion der Daumenschraube. Noch immer können viele Fächer nur mit großem oder kleinem Latinum studiert werden - ein letzter Versuch, fortschrittliche Geister von der Universität fernzuhalten. |
| Medizinstudent | Student, über den man spricht. Vorzugsweise dann, wenn Sohn oder Tochter ins heiratsfähoge Alter kommen. In der Tat sind die Heiratschancen von Medizinstudenten - vor allem in ländlichen Regionen - nach wie vor phänomenal. |
| Mensa | Uni - Restaurant, in dem die Vorspeise wie die Hauptspeise, die Hauptspeise wie die Nachspeise und die Nachspeise wie gepfeffertes Katzenfleisch mit Schmalzbrühe und Spinnenbeinen schmeckt. |
| Motivation | Typische Krankheit von Erstsemestern (siehe dort). Meist harmlose Entwicklungsstörung. Motivierte Erstsemester unterscheiden sich deutlich von gesunden: Sie wissen, wo die Bibliothek ist, verschlafen nicht, haben Bücher von innen gesehen und denken an die Zukunft statt ans Wochenende. |
| Mutter | Dienstleistungszentrum. Wäscht, kauft ein, flickt, backt, bügelt, strickt - alles für einen Apfel und ein Ei. Wobei gute Mütter den Apfel geschält und entkernt zurückgeben und das Ei zum Frühstück servieren. |
| Oben ohne | Salopp für hirnlos. An Unis sehr beliebt. |
| Oberprimaner | Mensch, der das Leben noch vor sich hat. Sollte besser umkehren. |
| Praktikant | Betriebstrottel. Meist mit der Aufgabe betraut, sich von eine Ecke, in der er stört, in eine andere Ecke zu bewegen, in der er auch stört. |
| Professor | Studentisch: Proff. Studentischer Gott. In religiöser Hinsicht sind die Studenten ein Primitivvolk: Die Deutschen kennen rund 20000 verschiedene Götter. Es dominieren Götter des Schreckens. stets akkurat gekleidete freundliche ältere Herren, die sich in Nächten vor Prüfungen in boshafte Chimären mit Wolfsgesicht und Rattenschwanz verwandeln und hämisch "Durchgefallen ! Durchgefallen !" rufen. Daneben existieren jedoch auch gute Götter:stets akkurat gekleidete freundliche ältere Herren, die an anderen Universitäten lehren. |
| Prüfer | Natürlicher Feind des Studenten. Trägt seit Jahrzehnten zur Dezimierung der Studentenzahl bei. Prüfer gelten als gemein und hinterlistig. Sie stellen ihre Opfer grundsätzlich im Rudel und dringen mit Fragen auf sie ein, die oft tödlich sind. |
| Raucher | Volk ohne Raum. In der jährlich von einigen Uni-Zimmervermittlungen herausgegebenen Liste der dreißig am schwierigsten zu vermittelnden Personengruppen stehen die Raucher traditionsgemäß auf Platz 5, gleich hinter dem Vampir, dem schwedischen Troll, dem Bergfaun und dem griechischen Zyklopen. |
| Referat | Starjes Schlafmittel mit ungewöhnlichem Wirkungsbild: Der Student schläft, obwohl sein Augen geöffnet sind und seine Gesichtszüge äußerste Aufmerksamkeit signalisieren. Keine Suchtgefahr. |
| Schein | Beliebtes Sammelobjekt. Anders als für Briefmarken
gilt für Scheine: a) Je leichter erhältlich, desto gefragter. b) Je höher beziffert, desto wertloser. c) Der Besitz von mehreren identischen Exemplaren kann zur Entmündigung führen. |
| Sekretärin | Wichtigstes Standbein der internationalen Kaffeeindustrie. Statistischen Untersuchungen zufolge würde die Entlassung jeder zehnten Uni-Sekretärin mindestens acht Kaffee-exportierende Länder in den Staatsbankrott treiben. |
| Semesterferien | Anschaffphase. Für viele Studenten sind die Semesterferien die eigentliche Arbeitszeit im Jahr. Deshalb folgt folgt auf die sinnvollerweise grundsätzlich ein Semester. So wechseln Anspannung und Erholung einander ab. |
| Sex | Für den gewöhnlichen Studenten kein Thema. Er liebt sein Studium, schläft mit seinen Büchern und träumt von gemütlichen Gesangsabenden bei Onkel Herbert und Tante Resi. In seiner Freizeit bastelt er am liebsten kleine Aufmerksamkeiten für den Wohnzimmerschrank seiner Mutter. |
| Student, ewiger | Kultfigur. Student, der alle Biersorten kennt. Meist hochsensibler Mesch. Berühmt wurde der Fall des Deutsch-Amerikaners Brand Wein. Brand studierte insgesamt 67 Semester an deutschen Hochschulen, ohne je zu erfahren, was. Verbittert begann er zu trinken. Brand erinnert sich: "Wochenlang saß ich im Audimax und suchte mein Studienfach. Vergeblich ! Unter den Stühlen, hinter der Tafel, auf dem Pult-nichts ! Zum Schluß hielt ich es nicht mehr aus und floh in eine Kneipe." Dort sitzt Brand Wein heute noch - erstaunlich für einen Menschen, dem so übel mitgespielt wurde - steckt voller Optimisus. Brand: "Eines Tages finde ich es doch !" Zunächst will der rüstige Greis jedoch Lesen und Schreiben lernen. |
| Sommersemester | Erfahrungsgemäß ist der Sommer eine der vier Jahreszeiten, in denen das Lernen besonders schwer fällt. Deshalb plädiert die deutsche Studentenschaft seit langem dafür, das Sommersemester in den Winter zu verlegen. Die zuständigen Politiker verhalten sich jedoch wiedereinmal engstirnig. Sie wollen auf die Forderung nur unter der Bedingung eingehen, daß das Wintersemester dann in den Sommer verlegt wird. |
| Studentenzimmer | Studentische Behausung. Unterscheidet sich oft nur im geringeren Komfort von einer Hundehütte. Einrichtung: Holzschemel, Pritsche, Wasser und Brot. |
| studieren | ist die Kunst, sich während der besten Jahre des Lebens auf einen Beruf vorzubereiten, der längst von anderen besetzt ist. |
| Tatendrang | Studenten sind, entgegen landläufiger Vorurteile, ausgesprochene Frühaufsteher: Sie stehen auf, lange bevor der Tag begonnen hat. Meist schon am frühen Nachmittag des Vortags. |
| Taxifahrer | Akademischer Beruf für Geisteswissenschaftler. Heute vor allem als Karrieresprungbrett geschätzt: Erfolgreichen Taxifahrern steht häufig eine Laufbahn als Fernfahrer offen. Wegen der zahlreichen Bewerber sollten sich Interessenten frühzeitig um berufsbezogene Praktika bemühen: als Gepäckträger, Scheibenwischer oder Kilometerzähler. |
| Urlaubszeit | Der Student wünscht sich nichts sehnlicher, als eines Tages im Dienste der Gesellschaft zu arbeiten. Er bemüht sich daher schon während des Studiums, seine Lebensweise der des arbeitenden Menschen anzupassen.Dies gelingt ihm vorallem in der Urlaubszeit. |
| Vorlesung, gewöhnliche | Gemeinsame Lesestunde: Der Professor liest laut in einem Buch, der Student liest leise in einer Zeitung. |
| Vorlesung, wichtige | Vorlesung mit Abschlußklausur. Verwndelt träge, schläfrige Studenten in besessene Protokollanten, die jedes Wort des Professors festzuhalten versuchen. Meist mit beschränktem Erfolg: Die ungewöhnlich hohe Belastung führt rasch zu einem Zustand völliger Erschöpfung, der für gewöhnlich erreicht ist, nachdem der Morgengruß präzise notiert wurde. |
| Walkman | Elektronischer Ohrwärmer. Heizt zwar tüchtig ein, sollte aber nur in völliger Abgeschiedenheit getragen werden: Erfahrungsgemäß werden öffentlich zur Schau getragene Walkmen noch immer mit Stöpseln für aufgeblasene Wichtigtuer verwechselt. |
| Wohngemeinschaft | Oft: Diskutierclub oder Verein zur Pfege und Förderung studentischer Lebensprobleme. Auch: Fertigungstellefür wertvolle Beziehungskisten. |
| Wohnheim | Heim für finanziell verwahrloste Studenten (sog. BAföG-Empfänger) und ausländische Kommilitonen. Charakteristika: niedrige Mieten, noch niedrigerer Komfort, Zimmergröße, die präzise auf die Bedürfnisse von Kindern, Pygmäen, Liliputanern und Zwergaffen zugeschnitten ist. |
| Zeit, Die | Schmuckstück für kritische Intellektuelle. Leger unter dem Arm getragen. Wiegt bei Sonnenschein 1,5 kg, bei Regen 2,5 kg. |
| Zeitung | Wie alle führenden Menschen in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft müssen auch Studenten stets gut informiert sein. Deswegen lesen sie bis zu neunmal täglich die Zeitung. Holger (Student, kritischer) telefonisch aus Seoul: "Man weiß nie, ob nicht doch etwas Neues drinsteht". |
| Zuhause | Beschaffungsabteilung. Meist in drei Planstellen
besetzt: a) Vater: zuständig für Geld, Jobs, Praktika. b) Mutter: zuständig für saubere Wäsche, Lebensmittel, Stories. c) Kleiner Bruder: zuständig für Ehrfürcht, Bewunderung, Gehorsam. |
| Zweifel | Der jeden Studenten quälende Verdacht, das Falsche zu studieren. Nur durch Gewißheit zu überwinden. |